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Chronik von Karrösten
Herausgegeben vom Tiroler Landesarchiv:
Schriftleitung:
Landesarchivdirektor Hofrat Dr. Eduard Widmoser
Nr 12 Chronik von Karrösten
Zusammengestellt von Dr. Sebastian Hölzl unter Berücksichtigung des
Dorfbuches von Karösten von HSD Schennach. Innsbruck 1975
Impressum
Herausgeber, Eigentümer und Verleger: Tiroler Landesarchiv
Für den Verleger und Inhalt verantwortlich: Landesarchivdirektor Hofrat Dr.
Eduard Widmoser. Alle Innsbruck, Herrengasse1 Umschlagentwurf: Prof. Oswald
Haller
-Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis DAS GEMEINDEWAPPEN VON KARRÖSTEN
AUS DER FRÜHZEIT
EINIGES ZU UNSEREM ORTSNAMEN
ZUR VERWALTUNGSGESCHICHTE
ORTSTEIL BRENNBICHL
DER TOD DES KÖNIGS FRIEDRICH AUGUST
BEVöLKERUNGSSTATISTIK
KIRCHLICHES
GESCHICHTE AUS DEM GEMEINDEARCHIV
DER BERGBAU AM TSCHIRGANT
WASSERNOT UND MUREN
DAS VERSCHÜTTETE DORF
PERSÖNLICHKEITEN KARRNTENS
UNSER VEREINSLEBEN
AUS DER SAGENWELT
CHRONIK DER LETZTEN 30 JAHRE IN STICHWORTEN
DAS GEMEINDEWAPPEN VON KARRÖSTEN
Die Tiroler Landesregierung hat in ihrer Sitzung vom 11. April 1972 gemäß
§ 8 Abs. 2 der Tiroler Gemeindeordnung 1966 der Gemeinde Karrösten folgendes
in der Pergamenturkunde dargestellte Wappen verliehen:
"Drei rote Kugeln auf goldenem Grund. Durch die Kugeln, den Beigaben des
heiligen Nikolaus, wird an die erste Kirche von Karrösten erinnert, welche
diesem Heiligen geweiht wurde".
Weiters wird im Wappenbrief vermerkt: "Karrösten hieß ursprünglich
Ousten. Erst seit Beginn des vierzehnten Jahrhunderts tritt der heutige Name
auf. Die Kirche selbst ist im Jahre vierzehnhundertneun schriftlich bezeugt. Die
Urkunde wird durch die Unterzeichneten und das Landessiegel beglaubigt".
Am 10. März 1973 wurde das Gemeindewappen anlässlich der Dorfbildungswoche
durch Landesrat Dr. Alois Partl feierlich unserem Bürgermeister überreicht.
Hofrat Dr. Widmoser als geistiger Vater dieses Wappens erklärte den
Symbolgehalt der Wappendarstellung: Die drei roten Kugeln (3 rote Äpfel) sind
die Gaben des Kirchenpatrons von Karrösten, nämlich der Segen Gottes, die
Treue zur Heimat und zu den Mitmenschen und die Zufriedenheit.
Somit hat Karrösten als 12. Gemeinde des Bezirkes Imst und als 84. Gemeinde
Tirols ein eigenes Gemeindewappen erhalten.
Anlässlich der Verleihung des Gemeindewappens wurde durch die Presse auch
bekannt, dass Direktor Schennach, der als Leiter des Männerchores, als Dirigent
und Organist sich um Karrösten sehr verdient gemacht hat, in einer
umfangreichen Chronik alles Wissenswerte zusammengetragen hat.
AUS DER FRÜHZEIT
Schon in der Bronzezeit (2000 ca. 800 v.Chr.) dürfte die wichtige
Verkehrslinie zwischen Reschen und Fernpaß und somit auch unsere Gegend
durchzogen worden sein. Dass sich einzelne Durchziehende dieser Zeit bei uns
auch niederließen und eine feste Siedlung bildeten, wurde durch die Urnenfunde
auf den Grundparzellen 322 und 323 (Besitzer: Josef Thurner) bestätigt. Bei den
beschränkten Ausgrabungen im Jahre 1972 wurden in Karrösten 13 allerdings
stark gestörte Gräber mit Urnen und Grabbeigaben gefunden. Die gefundenen
Gegenstände, ein Bronzearmreif, ein Bronzestab, ein Griffzungenmesser und ein
Griffdornmesser dürften wohl mehr als 3000 Jahre alt sein. Bei weiteren
systematischen Grabungen könnte durchaus ein ganzes Urnenfeld zutage treten.
Möglicherweise hat sich der Brauch, die Toten zu verbrennen und in Urnen
beizusetzen bei uns noch weit bis ins erste Jahrtausend v. Chr. erhalten. Es
folgt die äußerst unruhige Zeit der Völkerwanderung, die alte Kulturen
zerstörte oder überlagerte, selbst aber wenig Spuren hinterließ.
Als die Römer um 16. v. Chr. in unser Gebiet kamen, stießen sie auf die
Breonen, einem Stamm der Illyrer. Zwar hatten die römischen Eroberer in oder um
Karrösten keine Siedlung gegründet, doch hinterließen sie trotzdem ihre
Spuren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine Nebenstraße der "Via
Claudia" vom Reschen über den Fernpaß durch unser Gemeindegebiet führte.
Grund zu dieser Annahme gab der bedeutende Grabfund aus dem Jahre 1872. Der
Bauer und Wirt, Herr Trenkwalder, fand vor 100 Jahren in der "vorderen
Raut" die letzte Ruhestätte eines römischen Soldaten. Vielleicht war es
ein in römischen Diensten stehender Tiroler, der für die Sicherheit der
Römerstraße verantwortlich war. Jedenfalls ein angesehener Mann, wip die
Grabbeigaben zeugen. In dem mit Ziegelsteinen ausgemauerten Grab fanden sich
neben dem Skelett ein Bronzearmreifen, ein Lederschild mit Eisenrosette, eine 25
cm lange Lanzenspitze aus Eisen. Wertvollste Grabbeigabe war eine Goldmünze aus
der Zeit des römischen Kaisers Augustus (gestorben 14 n. Chr.), die im Tiroler
Landesmuseum aufbewahrt wird. Die Lanzenspitze kam in den Besitz des
AltbUrgermeisters Karl Trenkwalder. Obrigens waren römische Ziegelgräber in
der "Maure" schon zwischen 1830 und 1840, sowie 1913/14 entdeckt
worden.
Durch die germanische Völkerwanderung, die den Untergang der Römer
verursachte, kamen die Völker neuerlich in Bewegung. Im Gefolge davon strömten
die Bayern im 6. Jh. n. Chr. auch in das obere Inntal und ließen sich neben den
romanisierten Breonen nieder oder vertrieben diese. Bald scheint sich die
deutsche Sprache gegenüber den früheren Bewohnern durchgesetzt zu haben. In
einer Urkunde von 1265 wird in der Imster Gegend deutsch geschrieben.
Seit 1266 befinden sich die Herrschaften Imst und St. Petersberg (Silz) bei
Tirol. Graf Meinhard II. von Tirol hatte sie von Konradin, dem Enkel Kaiser
Friedrichs II., erhalten. Damit war auch Karrösten, das zum Gericht Imst
gehörte, bei Tirol.
EINIGES ZU UNSEREM ORTSNAMEN
Seit den Ausgrabungen wissen wir, dass die Besiedlung unserer Gegend schon
vor etwa 3000 Jahren erfolgte. Wir könnten also überspitzt sagen, dass es seit
dieser Zeit Karröster gibt, wenngleich sie sich damals anders nannten. Das
älteste Geschichtsdokument, das erstmals unseren Ortsnamen nennt, stammt aus
den Jahren 'nach 1070, doch sind sich die Gelehrten nicht einig, ob damit nicht
ein anderer Ort gemeint ist. In der lateinischen Urkunde sind von "locis
Walda et Oistall die Rede, die dem Bischof Altwin von Brixen geschenkt werden.
Da in der Urkunde auch Volders erwähnt wird, dürfte es sich eher um den
Österberg bei Volders handeln.
Die erste sichere Quelle, die Karrösten nennt, befindet sich im Tiroler
Landesarchiv. Um ca. 1300 wurde ein Verzeichnis der Eigenleute und ihrer Kinder
angelegt, die den Herren von Starkenberg gehörten und ihren Leibherren zu
Diensten verpflichtet waren. In kleiner Schrift werden auf einem schmalen
Papierstreifen viele Namen und Orte aufgezählt, darunter auch die "Waibel
de Aeusten11. Die Herren von Starkenberg waren das erste Adelsgeschlecht in der
Imster Gegend und nannten mehrere hundert Eigenleute in der Umgebung der Burg
Starkenberg ihr Eigen. Auch die Söhne des Waibel von Aeusten (= Karrösten)
waren in diesem Eigenleuteverzeichnis vermerkt.
Das Stift Stams war zur damaligen Zeit Grundherr umfangreicher Besitzungen im
Oberinntal. In eigenen Verzeichnissen und Beschreibungen (= Urbare) wurden alle
liegenden Güter und die davon fälligen Abgaben erfaßt. Im Urbar XI/4 von 1312
(Nachtrag 1318) wird 0esten apud (= bei) Karres genannt. Noch interessanter für
uns ist das Stamser Urbar XI/3 von 1336 (Blatt 5), weil dort erstmals der
Ortsname Kerrosten auftaucht. Diese Namensform dürfte somit schon einige Zeit
im Sprachgebrauch gewesen sein, bevor man sie in dieses Urbar aufgenommen hatte.
In der Folgezeit änderte Karrösten seinen Namen nicht mehr. Auch im
landesfürstlichen Prunkurbar von 1582 (siehe Abbildung daraus) finden wir
unseren Ort unter l' Kärrerössten l1 verzeichnet. In den späteren zahlreichen
urkundlichen Belegen gibt es nur noch orthographische Unterschiede in der
Schreibweise unseres Ortsnamens.
Um die Namensdeutung unseres Ortes haben sich schon zahlreiche Namens und
Heimatforscher bemüht und es wurden die widersprüchlichsten Auslegungen
gefunden.
Schon der Heimatforscher Jakob Staffler versuchte im letzten Jahrhundert
unseren Ortsnamen von einem gleichnamigen Schloß, das aber im Laufe der Zeit
spurlos verschwunden war, abzuleiten. Direktor Schennach hat folgende Deutungen
zusammengetragen:
Ein Dorf in der "Maure" soll der Sage nach den Namen Karrestein
getragen haben. Pfarrer Geiger übersetzte unseren Ortsnamen als 'Torf vor dem
kahlen Gebirge", denn "kar" = kahl, unbewaldet, felsig und Oista
Vorgebirge. Eine andere Deutung sieht in Karrösten den Oesten (=Westen) der
Leute von Karres.
Im Althochdeutschen würde awist , ewist , owist oder "aust"
Schafhürde bedeuten. Es könnte daher Karrösten Weidegebiet für Karres
gewesen sein. Mehrere Urkunden unseres Gemeindearchives deuten auf die Holz,
Weide und Almnutzungsrechte mit den Nachbargemeinden hin.
Auch eine Namensdeutung aus dem Lateinischen wurde versucht: Durch
Lautverschiebung leite sich der Wortteil östen von ustus (= brennen, urbar
machen, roden) ab. Mit viel Phantasie kommt man auf den römischen Namen "collis
ustus" für Karrösten, was zu deutsch eine Siedlung auf'einer durch Feuer
urbar gemachten Anhöhe (collis = Hügel) bedeuten würde.
Begeben wir uns wieder auf den sicheren Boden der Geschichte, um über die
Gemeinde und Verwaltung einiges zu erfahren.
ZUR VERWALTUNGSGESCHICHTE
Die erste Nennung eines Dorfmeisters von Karrösten, den wir heute etwa mit
einem Bürgermeister vergleichen können, stammt aus dem Jahre 1596. Er hieß
Georg G r a t t und vertrat mit Cristan Rederer, Hanns Schueler und Cristan
Perwannger die "Nachbarschaft Kärreröstenll vor Gericht. Auch das
landesfürstliche Abgabenverzeichnis von 1582 (siehe Ablichtung) bezeichnet
Karrösten bereits als llGemaind und NachperschafC. Das heißt, dass unser Ort
schon seit mindestens 400 Jahren eine eigene Wirtschaftsgemeinde war. Im Jahre
1629 wird Karrösten in der fürstlichen Steuerbeschreibung der Herrschaft Imst
auch als selbständige Steuergemeinde geführt. Seit 1811 sind wir auch eine
eigene politische Gemeinde.
Bis zum 13. Jahrhundert gehörte unsere Gegend zur einheitlichen Grafschaft
im Oberinntal. Ohne auf die Besitzverhältnisse näher einzugehen, können wir
festhalten, dass die Herren von Starkenberg als mächtigstes Adelsgeschlecht in
der Umgebung bereits 1217 bezeugt sind. 1275 wird Imst über mehrere Gemeinden
als eigener Steuerbezirk genannt. 1315 zählten zum Gerichtsbezirk Imst die
Ortschaften: Kers, Ousten, Tarrens usw. Damals waren Karres und Karrösten
offensichtlich noch im gleichen Verwaltungsbezirk. Doch schon um die Mitte des
14. Jahrhunderts scheint im ältesten Starkenberger Urbar nur noch
"Eisten" als zu Imst gehörig auf. Im Jahre 1589 hatte sich der
Gerichtsausschuß von Imst versammelt, als das Gericht an den neuen
Gerichtsherren Georg von Fieger übergeben wurde. Unter den erschienenen
Ausschußmitgliedern befand sich auch ein Vertreter von Karrösten, während die
Ortschaft Karres nicht genannt wurde. Im Strafrecht hatte der Gerichtssprengel
Imst die volle Gerichtsbarkeit und übte diese auch über Karrösten aus. Der
Galgenbühel westlich von Imst zeugt noch
Aus dem Prunkurbar des Erzherzog Ferdinand II. vom Jahre 1582 (Tiroler
Landesarchiv Urbar Nr. 75/4) "Kärrerössten"
Vigileus Elsässer zinnst jerlichen auf Martini von seinem Hof und Güetern
von Hannsen Bürgern herrürenndt:
Vogtei Gelt Drei Pfund Perner
DIE GENAIND UND NACHPERSCHAFFT ZU KÄRRERÖSSTEN ZINNSEN JERLICHEN AUF
MARTINI RECHT en Grunndt und Herrnzinns, auch Weisath, aus zwayen
unnderschidlichen, verlichnen unnd ausgezaigt en Rainen, Grunndt unnd Poden, der
Raut genannt, ob gemainer Lanndtstraß am Kniepaß, unnd inn gemelter
Herrschafft Bluembesuech, und Azung gelegen, und zu zweenundzwannzig Thaillen
aufgethailt Innhalt aines ordennlichen derowegen aufgerichten unnd gegebnen
Revers
Gelt Ainen Gulden Sechs Kreuzer
Air Ainhundert Zehne
Bemerkenswert ist, dass Karres zwar seit Ende des 13. Jahrhunderts dem
Gericht Petersberg zugeteilt war, kirchlich aber so wie Karrösten zur
Großpfarre Imst gehörte. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Tarrenz
sowohl in Karres als auch in Karrösten alte Weiderechte hatte, obwohl diese
Orte zu zwei verschiedenen Verwaltungssprengeln gehörten. Dieses erst 1769
aufgehobene Recht ist umso bemerkenswerter, weil zwischen diesen Orten das
Gemeindegebiet von Imst liegt. Direktor Schennach folgert daraus, dass dieses
Weiderecht, das vielleicht älter als die Gerichtssprengeleinteilung ist, auf
den direkten Verbindungsweg: Karres "Maure" Karrösten Piger Dormitz,
hinweist. Umgekehrt haben die Karröster bis heute im Tarrenzer Gebiet alte
Weiderechte.
Die gemeinsamen geschichtlichen und wirtschaftlichen Bindungen Karröstens
waren zu Imst enger als zu Karres. Erst 1907 wurde Karres dem Imster
Verwaltungssprengel endgültig eingegliedert. In früheren Jahrhunderten war die
Abgrenzung der Gerichtssprengel wirtschaftlich viel stärker spürbar, denn die
Karröster mussten ihren Zehent, die damalige Steuer, nach Imst abliefern, da
der Gerichtsinhaber meist auch Grundherr war. Die Karrer hingegen mussten ihre
Abgaben auf Schloß Petersberg abliefern. Bei Streitigkeiten zwischen beiden
Gemeinden, wie sie zwischen Karres und Karrösten wiederholt vorkamen, mussten
die Richter von Imst und Petersberg angerufen werden, wie wir beim
Kirchturmstreit bereits gesehen haben.
Ein Beispiel für die Bindungen zwischen Imst und unserer Gemeinde ist die
Inschrift des Imster Kaufmannes am Gewölbe unserer Kirche: "Anno domini
1770. Herr Josef Strele, guetdeter1'. Er hatte den Umbau der St. Nikolauskirche
vor 200 Jahren wesentlich unterstützt.
Johann Jakob Staffler und wir können uns dadurch eine ungefähre Vorstellung
über die Größe unseres Ortes machen.
Doch schon aus früheren Zeiten sind uns die Familien und Feuerstätten von
Karrösten überliefert und wir erhalten dadurch wertvolle Aufschlüsse Über
die Besiedlung unseres Dorfes. Für den Familienforscher ist es überdies
interessant zu erfahren, wann seine Vorfahren das erstemal in Karrösten
auftauchen.
Wir haben bereits gehört, dass um 1300 erstmals Karröster mit Namen Waibe1
im Leuteverzeichnis der Starkenberger auftauchen. In einem
Feuerstättenverzeichnis (Tiroler Landesarchiv, Codex 12), das als Grundlage zur
Besteuerung und Mannschaftsstellung diente, werden 1427 unter "Eisten"
(= Karrösten) folgende Familien angeführt:
F (= Feuerstätte des) Jakob 2 e c h sein weib und kind(er)
Hennsl, Klaus, Dorothe, Anna
F Pigers sun Hennsl, Stephl und ir muet
F Hanns S c h a u b sein weib und kind Wenndl
F Kristan U d 1 e r sein weib und kind Hainrich
F Jost S 1 a p p , sein weib und kind Anna
F Lenz S a i 1 e r , sein weib und kind(er) Hennsl, Ullrich,
Sigmund, Greth, Anna, Dorothe
F Hainz S a i 1 e r , sein weib und kind(er) Kunzl, Andre,
Agnes, Dorothe, Greth, Barba, Anna
F Stephan S a i 1 e r , sein weib und kind(er) Anna, Elli,
Hennsl, Oswalt
In Karrösten gab es also vor 550 Jahren acht Haushalte mit insgesamt 40
Köpfen. Doch lebten in unserem Ort damals sicher noch weitere Personen, die
aber keinen eigenen Hof hatten und daher im Feuerstättenverzeichnis nicht
aufschienen.
In einer Pergamenturkunde vom 9. Juli 1579 werden 21 Gemeindemitglieder von
Karrösten genannt, die in der Rauth das Baurecht erhielten, nämlich:
Wigeleus Elsasser Jakob Gramaiser
Cristan Kederer Petter Newreuter
Cristoff Sayler Rochus Schatz
Hans Pogner Ullrich Milber
Bernhard Sailer sen. Caspar Anpacher
Hanns Schueler Hanns Purger
Bernhard Sailer jun. Georg Schabenseckhl
Cristoff Schatz Thoman Pogner
Lazorus Sayler Paul Behamb
Melchior Anpacher Hanns Steidel zu Prentpichel
Martin Anpacher jun.
Die genaueren Besitzverhältnisse sind dem Leopoldinischen Steuerkataster von
1629 Über die Herrschaft Imst zu entnehmen (Tiroler Landesarchiv, Kataster
37/1). Auf 17 Blatt sind sämtliche Güter Karröstens mit einem Schätzwert von
10.671 Gulden verzeichnet. Es werden 31 Besitzer mit ihren Höfen und allen
dazugehörigen Grundstücken genannt. Damals lassen sich folgende Familiennamen
in Karrösten feststellen:
Gratt Gstrein Sailer (3x)
Sturmb (2x) Hainz Gramaiser
Kräpichlerin Kolreiter Steidl
Camerlander Grattl Joeb
Mayrhofer Wennser Holer
Anpacher (3x) Schueler (2x) Leonhart
Schatz (2x) Wackher
Rederer (2x) Haunggi
Greifen wir den Besitz des Matheis Sailer als Beispiel heraus: Er besaß laut
Grundsteuerkataster vom Jahre 1629 eine halbe Behausung, Stadel, Stall, einen
Baum und Frühgarten, weiters einen Kabisgarten, 2 Mannmahd Freimahd in dem
"Kurzenlandt und auf dem laichackher", 4 Mannmahd Wismahd auf den
Wiesen, 112 Mannmahd Spätmahd, 3 112 Schetland Acker, 1 Mezenland Acker im
"kurzen Land` und 2 Mezenland Mahd, das Äckerl genannt.
Davon zinst er den Füegern zu Hirschberg 6 Kreuzer Grundzins und auf das
Schloß Imst 7 Kreuzer 3 Vierer Vogteizins; dem HeiligenSpital zu Imst an
Mezzenzins 1 Mezzen (= ca. 23 1) Roggen und 1 Mezzen Gerste Stiftzins.
Bis auf wenige Eigengüter waren fast alle Höfe tributpflichtig und zwar an
die Herren zu Hirschbprc 14 Hhfp in dpn
3 Höfe, und an das Spital Imst,das Kloster Stams, den Grafen Wolkenstein und
an das Schloß Imst je 2 Höfe.
Vor etwa 200 Jahren wurden unter Kaiserin Maria Theresia der Haus und
Grundbesitz von Karrösten neu erfaßt, um davon die Steuer zu berechnen. Beim
Durchblättern dieses Theresianischen Katasters (Tiroler Landesarchiv, Kat.
37/8, 19, 19a) springt sofort ins Auge, dass es damals in unserem Ort wegen der
ungünstigen Erbteilung nur halbierte, gedrittelte oder geviertelte Behausungen
gab. Joseph Trenkwalders Erben oder Joseph Flir hatten gar nur ein Sechstel
einer Liegenschaft. Durch das alemannische Erbrecht wurden die Grundstücke so
sehr zerstückelt, dass Fluren unter 10 m2 entstanden. Dadurch wurde eine
rationelle Bewirtschaftung unmöglich. Die geteilten Höfe konnten mehrere
Familien nicht mehr ernähren. Das alte Erbrecht bedingte daher eine große
Armut. Es gab im ganzen Ort nur ein einziges Anwesen, das zu ungeteilter Hand im
Besitz von Jakob Schlatter war.
Im Kataster 37/19 (Tiroler Landesarchiv) aus den Jahren um 1775, werden
folgende Familien mit Haus und Grundbesitz genannt:
Trenkwalder 7x Helmer 2x
Neiner (Neuner) 5x Großkopf 2x
Schatz 5x Flyr 2x
Krismer 3x Baumgartner
Röck 3x Witting
Oppl 2x Praxmarer
Schöpf 2x Räfl
Krapacher 2x Ampacher
Eberle 2x Walthard
Thurner 2x Pfausler
Schlapp 2x Mayr
Schlatter 2x Breiter
Kölli 2x
Von den um ca. 1775 in Karrösten ansässigen 54 Familien hatten viele nur
eine Viertelbehausung oder ein halbes Haus. Es verwundert daher nicht, dass es
trotz der vielen "Besitzer" nur 22 Anwesen gab.
Aus jenen komplizierten Besitzverhältnissen heraus mag es auch verständlich
sein, dass man von den alten Karröstern nicht immer gleich die richtige Antwort
bekam, wenn man einen Schatz, Oppl
oder Röck suchte. Viel geläufiger waren der Bevölkerung Namen wie: Benes,
Barger, Wettl, Josele, Bleller, Paulines, Kristeler,
Tanes, Jerge, Götl, Mandle, Pöll, Hiase, Rosler, Taml, Wöne,Tanzl, Minigs,
Schaffler, Hippe, Ehles, Dores, Honeler, Nantl Jacke, Liases, Prax, Serfines,
Pohle, Söpples, Hotscher, Sineles und Paules.
Wie sehr sich die Erbteilungen nachteilig auswirkten, zeigt die Tatsache,
dass von 40 Landwirtschaftsbetrieben nur 2 im Vollerwerb geführt werden, die
anderen bieten nur einen bescheidenen Nebenerwerb. Da es im Ort außer einigen
Gasthäusern keine Gewerbebetriebe gibt, müssen die Karröster ihren Erwerb
meist als Pendler außerhalb des Ortes suchen.
ORTSTEIL BRENNBICHL
Brennbichl bildet eine eigene Fraktion der Gemeinde Karrösten. Der Piger,
der diese Fraktion in zwei Hälften teilt, bildet die Grenze zwischen der
Gemeinde Karrösten und der Gemeinde Imst. Der Piger stellt auch in Richtung
Gurgltal die Gemeindegrenze. Ausnahmen bilden lediglich jene Gebiete, in denen
einst gewerbliche Betriebe lagen. Auf der Ablichtung aus der Katastermappe von
1856 sehen wir noch die alte Situation. Die Abtrennung erfolgte 1890. Damit
schieden die Grund und Bauparzellen der Geschwister Huber aus der
Katastralgemeinde Karrösten. Auch einige Parzellen des Fink und Linserhofes
kamen zur Katastralgemeinde Imst.
Eine besondere geschichtliche Bedeutung kam dem Gasthof Neuner in Brennbichl
zu. Dieser Gasthof war nämlich Um und Vorspannstelle, da er an der wichtigen
Kreuzung: Innsbruck Landeck und Fernpaß Pitztal lag. Die Besitzer hielten dort
für den Durchzugsverkehr so um die 20 Pferde bereit. Ursprünglich stand dieser
Gasthof beim heutigen "Romedihof", der unter Denkmalschutz steht. Der
Gasthof wurde im 14. Jahrhundert erbaut und zwar von einem Mann namens Mair. Das
Geschlecht der Mair blieb bis 1791 auf diesem Hof und zog dann in das neue
Gasthaus um, wo es 1930 ausstarb. An Bedeutung verlor der Gasthof Neuner erst
durch die Arlbergbahn.
In Brennbichl scheint übrigens eine nicht unbedeutende Verkehrsfalle gewesen
zu sein, wo man nicht genug achtgeben konnte. Dort ereigneten sich im Jahre 1854
zwei tödliche Verkehrsunfälle. Einer davon kostete dem König August von
Sachsen auf der Durchreise das Leben. Die Königskapelle erinnert uns an diesen
Unfall.
DER TOD DES KÖNIGS FRIEDRICH AUGUST
Der Sachsenkönig war von Kühtai über Ochsengarten kommend um 10 Uhr abends
in Silz abgestiegen, um zu nächtigen. Am nächsten Morgen es war der 9. August
1854 fuhr Friedrich August in Begleitung seines Adjudanten und des Kammerlakais
um 7 Uhr mit der Extrapost von Silz weiter und kam gegen 9 Uhr nach Imst.
Der König beabsichtigte, über das Pitztal und den Piller nach Prutz zu
reisen. Zum königlichen Leibwagen wurden beim Postamt Imst die nötigen Pferde
aus dem Stall in Brennbichl angefordert. Der Postexpeditor machte ausdrücklich
darauf aufmerksam, dass der Leibwagen des Königs wegen seiner Breite und
Länge, dann wegen der schmalen Fahrbahn und der vielen Windungen nicht benützt
werden könne. Es wurde ein passendes Einspännerwagerl ausgesucht, wie sie in
der Gegend häufig gebraucht wurden, sehr kurz und die Vorderräder sehr nieder.
Außer dem Kutscher hatten nur 3 Personen Platz, wovon eine neben dem Kutscher
sitzen musste.
Um beim Abwärtsfahren leichter anhalten zu können, wurden zwei Postpferde
angespannt. Die beiden Pferde waren lichtbraune Wallachen von acht Jahren und
gut zusammengewöhnt. Man hat nach dem Unfall durch alle möglichen Versuche
festgestellt, dass sie weder durch Angreifen noch durch Kitzeln zum Ausschlagen
veranlaßt werden konnten. Und doch ist ein Pferd am Tod des Königs schuld.
Als das Fuhrwerk außerhalb B r e n n b i c h 1 s am Hohlweg zur heutigen
Königskirche zu einer Stelle kam, wo es steil abwärts ging, stieg der
Postillion vom Bock und legte unter das linke Hinterrad den Radschuh ein. Von da
ab führte er die Pferde ganz langsam am Zaum. Er war aber, wie er nachträglich
angab, der Überzeugung, dass es besser gewesen wäre, wenn noch eine Person
ausgestiegen wäre, getraute sich aber das so hohen Herrschaften nicht
zuzumuten. Bei einer Wendung nach rechts geriet das eine Vorderrad so weit unter
den Wagen, dass der Wagen zu schwanken begann. Darüber beunruhigt, erhob sich
der König und rief halt! Dadurch kam der Wagen erst recht aus dem
Gleichgewicht. Kammerlakai und König stürzten infolge des jähen Stillstandes
nach vorne unter die Pferde. Dadurch erschreckt, schlug das rechte Pferd nach
hinten aus. Der König wurde von einem Huf hinter dem linken Ohr getroffen.
König August von Sachsen wurde zum Gasthof N e u n e r gebracht, wo er eine
halbe Stunde später verstarb.
Als die Leiche des Königs nach Sachsen überführt wurde, gaben ihm die
umliegenden Dörfer mit ihren Korporationen das Geleit bis Nassereith.
Im Jahre darauf ließ die Königinmutter zwischen dem Hohlweg und der
"langen Bruggell so wurde die Innbrücke genannt die Königskapelle
erbauen. Jedes Jahr wurde in der heutigen Rochuskapelle eine Jahrtagsmesse
abgehalten, wozu früher oft große Herrschergestalten wie Kaiser Franz Josef,
Erzherzog Ferdinand u.a. erschienen. Die Königinmutter ließ damals zwei
Gästebücher anlegen, die noch heute im Gasthof Neuner aufbewahrt werden.
Gegen Postexpeditor Stubmayr und Postillion Vögele wurde eine
strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet. Vögele hätte die Fahrgäste
aussteigen lassen sollen. Letztlich verschuldete aber der König den Unfall
selbst, weil er unvermutet aufgestanden war. Im Oktober 1854 wurde das Verfahren
gegen beide Postler eingestellt.
BEVÖLKERUNGSSTATISTIK
Lassen wir ein paar Zahlen sprechen, um die Entwicklung Karröstens durch die
Jahrhunderte zu verfolgen:
Jahr Einwohner Häuser Familien (bzw. Haushalte, Feuerstätten)
1427 40 8
1629 ca. 150 31
1775 ca. 250 22 54
1826 115 30 40
1841 263 33 58
1869 342
1880 325 (320) 34
1890 326
1900 353
1910 358
1923 345
1934 376
1951 416
1961 464
1971 500
Aus dem Jahre 1635 ist uns ein Verzeichnis der Verstorbenen des Gerichtes
Imst erhalten, die an einer "leidigen Infektion verableibt" sind. Es
handelt sich dabei vermutlich um die Pest. Aus Karrösten wurden allein im Monat
September 7 Todesfälle verzeichnet, nämlich:
1 Mädchen des Hanns Höperger
Hanns Waldtharts Weib
Georg Vitschens Weib
Hanns Höpperger
Georg Vitsch
Hanns Anpachers Tochter
1 Kind Jacob Trennckhers
Hanns Gramaiser
Conradt Schuellers Tochter
An der Wachstumskurve fällt zuerst der regelmäßige stete Zuwachs der
Bevölkerung auf. Allerdings haben wir für die Blütezeit des Bergbaues im 16.
Jahrhundert keine Zahlen aus unserem Ort. Da wir wissen, dass damals bis zu 1000
Knappen beschäftigt waren, dürfte auch in Karrösten die Bevölkerung
angestiegen sein. Da die Knappen aber weder Grund und Boden, noch Hausbesitz
hatten, scheinen sie in Feuerstättenverzeichnissen oder Steuerkatastern nicht
auf und konnten in unserer Statistik nicht berücksichtigt werden.
Auffallend ist der plötzliche Abfall der Kurve um 1880. Während des
Bahnbaues und nach der Eröffnung im Jahre 1884 fanden nämlich viele Karröster,
die von ihren im Erbweg zerstückelten Feldern kaum noch leben konnten,
vorübergghend oder für dauernd auswärts eine Arbeit. Viele Familienerhalter
verdingten sich im Sommer in der Fremde als Maurer, Zimmerer und Holzarbeiter,
um mit den Ersparnissen den Winter überbrücken zu können.
Einige Bauern fanden im Winter dadurch Verdienst, dass sie mit ihren
Ochsenkarren auf der "Salzstraße" Salz von Imst nach Silz
transportierten. Es wurden daher vor dem Bahnbau an die 25 Ochsen gehalten.
Einen neuerlichen Bevölkerungsrückgang erlitt unsere Gemeinde durch die
tragischen Folgen des Ersten Weltkrieges. Durch den Krieg wurde der starke
Zuwachs der um 1890 begann, wieder zunichte gemacht. Erst in den letzten 50
Jahren können wir einen raschen kontinuierlichen Zuwachs unserer Bevölkerung
verzeichnen. Bei der Volkszählung im Jahre 1971 wurde das halbe Tausend voll.
Ein Vergleich mit unserer Nachbargemeinde zeigt, dass Karres bald nach 1890
von Karrösten überholt wurde und heute mit 431 Bewohnern deutlich
zurückliegt. Unter den 7 Gemeinden des Imster Bezirkes, die weniger als tausend
Einwohner zählen, liegt unser Ort im Mittelfeld. Karröstens hohe Geburtenrate,
der Kinderreichtum in den Familien, zählt in Tirol schon eher zur Seltenheit.
Selten sind im Ort auch die Verdienstmöglichkeiten nach wie vor. Karrösten ist
ein Pendlerort. Der größere Teil der Arbeitssuchenden ist in der Imster
Industrie beschäftigt, der kleinere bei der Eisenbahn. Von den 195
Berufstätigen sind laut "Tirol von A bis Z" 57 in der Land und
Forstwirtschaft, 85 in Industrie und Gewerbe, 35 im Handel, 9 im öffentlichen
Dienst und 9 in sonstigen Berufen tätig. Die Ansiedlung von
Wirtschaftsbetrieben scheitert am Wassermangel.
Dadurch ergibt sich aber die äußerst seltene Gelegenheit, ein ideales
Erholungsdorf zu werden.
KIRCHLICHES
In der Chronik aus dem Jahre 1835, verfaßt vom Karrer Kooperator Anton
Weißkopf, lesen wir über die damalige Filialkirche von Karrösten: Vor dem
Dorfe steht "ein gar freundliches Kirchlein auf einer kleinen
Anhöhe". Die am 8. August 1778 geweihte Kirche fand der Chronist sehr
licht, doch kam ihm der neugotische Turm (erbaut 1830) etwas kurz vor und nicht
ganz im Verhältnis zum großen Kirchenschiff. Er erwähnt weiters den
hölzernen Altar von "älterer Bauart" mit dem Altarblatt des hl.
Nikolaus. Dieses Altarbild fand der Priester Weißkopf
"übermittelmäßig".
Im Kunstführer lesen wir über den heutigen Bauzustand der St.
Nikolauskirche, dass der gotische Turm eine barocke Haube erhielt. Die
Deckenbilder und das Altarblatt stammen von Johann Wörle aus dem Jahre 1770.
Der Hochaltar zeigt sich im reifen Rokoko. Hervorgehoben werden die schön
geschnitzten RokokoBetstühle und die reiche Rokokokanzel.
Doch die Kirchengeschichte beginnt nicht erst mit dem Bau der heutigen Kirche
vor etwa 200 Jahren. Die Spuren der ersten kirchlichen Bauten in und um
Karrösten reichen bis ins Hochmittelalter zurück, wo sie sich im Dunkel der
Geschichte verlieren. Eine der ersten Nebenkirchen der Urpfarre Imst ist die
Margarethenkapelle in Brennbichl, die Ritter Nikolaus Gottfried von 0ista
erbauen ließ. Auf ihn geht auch die Nikolauskirche in Karrösten und das
Lorenzikirchlein am Bergl in Imst zurück.
Die beiden geistlichen Gelehrten Tinkhauser und Rapp schrieben 1886 über
Karrösten und seine Kirche: "Da dieser Ort sehr alt ist, so mag schon
frühzeitig hier eine christliche Kapelle erbaut worden sein; wirklich hat man
einmal am sogenannten Maurach, einer Anhöhe zwischen Karres und Karrösten, im
Erdboden zwei kleine Kirchenglocken gefunden, wovon dann eine als
Sakristeiglocke für die Kirche zu Karres verwendet, und die andere zu einem
Sterbeglöcklein umgegossen wurde". Diese Kapelle in der "Maure"
dürfte durch eine Mure zerstört worden sein, weshalb man für das neue
Gotteshaus einen kleinen Hügel in der Nähe des Dorfes wählte. Bereits um 1100
soll dort eine Holzkapelle zu Ehren des "heiligen Blutes" gestanden
sein.
Auf diesem Hügel wurde die Vorläuferin der heutigen St. Nikolauskirche am
14. Jänner 1409 von Bischof Johannes aus Brixen zu Ehren des hl. Nikolaus und
der hl. Magdalena eingeweiht. Diese Heiligen wurden damals als Schutzpatrone
gegen Unwetter und Katastrophen verehrt, was auf das zerstörte Kirchlein in der
Maure hinweisen würde. 1741 erhielt die Kirche einen Kreuzweg. Dreißig Jahre
später wurde sie wie so viele alterwürdige gotische Bauwerke völlig umgebaut
und erhielt ihr heutiges Aussehen. Lediglich der alte Turm wurde noch in seiner
gotischen Form belassen, bis auch er 1830 "modernisiert" wurde.
Nicht immer war unsere Kirche in dem guten Zustand wie heute. Sie wurde von
ihrer Mutterkirche in Karres oft recht stiefmütterlich behandelt. Ursprünglich
unterstanden Karres und Karrösten der Großpfarre Imst. Als sich dann Karres zu
einer eigenen Pfarre entwickelte, wurde Karrösten dessen Filialkirche. Doch war
die Gemeinde noch zu klein, um einen eigenen Priester erhalten zu können. Erst
seit 1854 waren in Karrösten ständig Defizienten, meist alte oder kränkliche
Priester, die täglich eine Frühmesse lasen. Diese erhielten dafür freie
Wohnung, genügend Holz, sowie Milch und Kartoffeln. Zum Hauptgottesdienst
mussten unsere Vorfahren aber trotz Anwesenheit eines Defizienten nach Karres
gehen. Sie benützten zu ihrem Kirchgang den sogenannten Totenweg, auf dem die
Verstorbenen nach Karres getragen wurden. Karrösten bekam erst 1931 einen
eigenen Friedhof. Vorher wurden Begräbnisse, Taufen und Hochzeiten nur in der
Pfarrkirche zu Karres abgehalten. Dort werden auch die Sterbe, Trauungs und
Taufbücher seit 1646 aufbewahrt, die eine reiche Fundgrube für die
Familienforschung sind. Die Pfarrchronik klagt über den schlechten
Sakramentenempfang der Karröster, bevor sie einen eigenen Defizienten
erhielten. Doch mag es nicht immer einfach gewesen sein, bei Wind und Wetter und
knurrendem Magen den religiösen Pflichten nachzukommen. Selbst die Neugeborenen
mussten bis 1918 auch bei schlechtestem Wetter nach Karres zur Taufe getragen
werden. Die kirchlichen Verhältnisse zwischen Karres und Karrösten waren durch
Jahrhunderte nicht sehr günstig und trugen wiederholt zu Mißstimmigkeiten bei,
wie aus Urkunden unseres Gemeindearchives hervorgeht.
Bekannt ist der Turmbaustreit aus dem Jahre 1596. Als Filialkirche von Karres
hatte sich Karrösten auch an den Baukosten des Karrer Kirchturmes zu
beteiligen. Da man aber den Turm ohne zu fragen zu kostspielig gebaut hatte,
wollten die Karröster nicht zahlen. Es wurde eine Tagsatzung vor den beiden
zuständigen Richtern zu Imst (für Karrösten) und von St. Petersberg (für
Karres) anberaumt. Von Karrösten erschienen der Dorfmeister Georg Gratt und die
Gemeindevertreter Cristan Velderer, Hanns Schueler und Cristan Perwannger. Im
Urteilsspruch heißt es, dass alle pfarrlichen Rechte bei "Kärs"
liegen und es daher recht sei, dass "die zu Kärrerösten dises Gotshaus
und Kirchen (in Karres) erhallten zuhelffen schuldig" sind. Es mussten
daher bis Michaeli (= 29. September) 1596 für den neu erbauten Kirchturm in
Karres 10 Gulden bezahlt werden und in "khünfftigen Kirchenpeyen sollen
die zu Kärrerösten im Kirchenpaw Sanct Steffans Gotshaus, desgleichen auch im
Widem oder Priesterhaus daselbs zu Kärs ... allwegen den fünfften Thail darein
Contribuieren, geben und erstatten". Diesen Vergleich bestätigten der
Richter zu Imst Hanns Füeger und der Richter zu St. Petersberg am "Pfinztag
vor Judica" (= 28. März) 1596 mit ihren eigenen Siegeln. Die Siegel dieser
Pergamenturkunde (36 x 44 cm) sind nicht mehr erhalten. Interessant an der
Urkunde ist fUr uns Karröster, dass wir den Namen des Bürgermeisters von
Karrösten vor bald 400 Jahren, nämlich Georg Gratt, kennen.
Dass unsere Kirche durch Jahrhunderte keinen eigenen Priester hatte und daher
nicht immer bestens ausgestattet war, zeigt ein altes Inventar aus dem Jahre
1807. Da man sich an den Kosten der Pfarrkirche in Karres laut Gerichtsurteil
beteiligen musste, blieb für die eigene Kirche nicht allzuviel übrig. Es wurde
damals zur Zeit der Franzosen und Bayernherrschaft in der St. Nikolauskirche nur
alle 14 Tage eine Messe gelesen. Unsere Kirche hatte, als der Kurat von Karres,
Georg Neurauter am 25. Juli 1807 das Inventar verfaßte, einen Altar, einen
Kelch aus Kupfer und Silber, 4 Kerzenleuchter, 4 '1puschen Krieglen" (=
Blumenvasen), 3 Kanontafeln und "Kandelen", 1 Ampel, 1 kupfernen
Weihbrunnenkessel, 1 Meßkleid schwarz, 2 weiße Meßkleider, davon eines
zerrissen, 2 schlechte Meßkleider in rot und ein zerrissenes blaues, alle mit
schlechten Borten; weiters 2 geflickte Alben, einen schlechten Chorrock und 2
alte MeßbUcher. Auf diesem Inventar haben Anton Röck und Mängi Schatz als
Kirchpropst unterschrieben.
Bevor wir uns der jüngeren Geschichte unseres Gotteshauses zuwenden, müssen
wir noch die sogenannte Königs oder Sachsenkapelle erwähnen, die anläßlich
des tödlichen Sturzes des Sachsenkönigs Friedrich August 1855 eingeweiht
wurde. Darüber soll ein eigenes Kapitel ausführlicher berichten.
Im Jahre 1908 begann das kirchliche Eigenleben von Karrösten, als Alois
Nairz, vulgo Christeler, die Stiftung einer Expositur betrieb. Der ledige Bauer
Martin R i m 1 aus Piller stiftete 84.800 Kronen. Mit den Zinsen dieses
Grundkapitals konnte ein eigener Expositus erhalten werden. Am 6. November 1909
wurde Priester Anton Josef G e i g e r vom Imster Dekan feierlich eingesetzt. Er
sollte 29 Jahre hindurch der geistliche und geistige Führer unserer Gemeinde
sein, bis er unter der NSHerrschaft in die Verbannung geschickt wurde und fern
der Heimat starb.
1916 hatte sich Pfarrer Geiger als Feldkurat an die Front gemeldet. Im Trubel
der Abreise war ihm die Ablieferung der Kirchenglocken
entgangen. Damit waren die Glocken vorerst gerettet; gerettet für den 2.
Weltkrieg, der auch die Glocken von Karrösten in Kanonen verwandelte. Bereits
am 20. Juli 1947 erfolgte die Weihe der 4 neuen
Glocken mit 380 kg, 220 kg, 150 kg und 90 kg. Die Glockenpaten waren: Johann
Raffl, Josef Gstrein, Anton Krabacher und Maria Trenkwalder.
1919 wurde die Expositur von Karrösten in eine Kooperatur aufgewertet.
Dadurch erhielt Kooperator Geiger eine staatliche Besoldung,
denn die Stiftung Rimls war durch die Inflation so entwertet worden, dass sie
keinen Priester mehr erhalten hätte können.
1922 begann die Renovierung der verwahrlosten Nikolauskirche, die unter dem
Karrer Pfarrer Grießer sehr gelitten hatte. Selbst Kirchensammlungen zur
Renovierung unserer Kirche waren von ihm verboten worden.
1923 wurde für die Gefallenen des I. Weltkrieges auf dem "LieneBoden"
ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Dieses wurde 1951 renoviert und trägt nach der
Wiedereinweihung auch die Namen der Gefallenen des II. Weltkrieges.
1930 gelang es nach langem Kampf, einen eigenen Ortsfriedhof zu bekommen. Mit
der Einweihung des Friedhofes am 27. Dezember 1931 mussten die Toten nicht mehr
auf dem Totenweg nach Karres getragen werden. 1950 erfolgte der entscheidende
Schritt der Kirchengemeinde Karrösten zur "Unabhängigkeit". Sie
wurde zur selbständigen Expositur erhoben. Zwar ist der Geistliche in
Karrösten noch immer ein Expositus von Karres, doch verwaltet er die
kanonischen Bücher (Tauf, Heirats und Sterbebuch) selbst und ist auch sonst
pfarrlich unabhängig. Damit ist Karrösten kirchlich und politisch eine
Einheit.
1958 beging Karrösten das seltene Fest einer Primiz. Pater Karl Köll, Sohn
des Bundesbahnbeamten Johann Köll, las die erste Messe in seiner
Heimatgemeinde. Seit Menschengedenken war er der erste Neupriester in unserem
Ort.
GESCHICHTE AUS DEM GEMEINDEARCHIV
Nicht jede Gemeinde hat ein Archiv, in dem die gesammelten Schriftstücke so
weit zurückreichen wie in Karrösten. Die acht Pergamenturkunden und 70
Papierurkunden und Akten gehen bis zum Jahre 1533 zurück und vermitteln einen
lebendigen Querschnitt aus der Rechtsgeschichte unserer Gemeinde. Die 78
Archivalien werden derzeit aus Sicherheitsgründen im Tiroler Landesarchiv
aufbewahrt. Die meisten von ihnen sind gut erhalten:
10 Stück, Nr. 1 10 stammen aus der Zeit von 1533 1600
14 Stück, Nr. 11 24 stammen aus der Zeit von 1601 1700
42 Stück, Nr. 25 65 stammen aus der Zeit von 1701 1800
13 Stück, Nr. 66 78 stammen aus der Zeit von 1801 1857
Ein Teil der Urkunden betrifft Gemeinderechte- und pflichten, Wald und
Weidenutzung oder das Rodwesen (= geregeltes Lastentransportwesen) auf der
Straße von Roppen nach Imst. Aus diesem bäuerlichen Nebenerwerb der Rodfuhren
ergaben sich mit den Nachbargemeinden öfters Streitigkeiten, wie uns die
Urkunden beweisen. Ein anderer Teil unserer wertvollen Geschichtsquellen
betrifft die St. Nikolauskirche. Weiters befinden sich viele Urkunden der
Familie Röck, die um 1857 den Bürgermeister Josef Röck stellte, bei den
Gemeindearchivalien.
Greifen wir aus unserem Gemeindearchiv einige alte Schriftstücke heraus, um
zu erfahren, was vor Jahrhunderten unsere Altvordern bewegte:
Am 4. Mai 1533 schlichtet der Waldmeister durch einen Schiedsspruch einen
Streit zwischen den Gemeinden Karrösten, Imst und Tarrenz wegen Holzschlags und
Weide am Tschirgant. (Urk.Nr.1) Am 31. Jänner 1546 bestätigt Andreas Batista
aus Zernetz im Engadin den Verkauf eines goldenen Messkleides. (Urk.Nr.3) Vom 3.
April 1576 ist uns ein Urbar (= Zins und Abgabenverzeichnis) der St.
Nikolauskirche erhalten, das in sehr schöner Schrift auf 10 Pergamentblättern
alle liegenden Güter mit ihrer Abgabeverpflichtung an die Kirche verzeichnet.
(Urk.Nr.4,5) Interessant ist die Obergabe der sog. Rauth vom 9. Juli 1579 durch
den Gerichtsinhaber von Imst Karl Schurf, weil auf dieser Pergamenturkunde 21
Gemeindemitglieder von Karrösten namentlich genannt werden. (Urk.Nr.6) Bekannt
ist die Urkunde vom 28. März 1596, welche die Kostenaufteilung zum Kirchenbau
in Karres mit den Karröstern regelt, weil sich die Karröster zuerst geweigert
hatten. (Urk.Nr.10) Auf sehr feinem Pergament wird am 12. Mai 1624 der Grund und
Hofverkauf des Christan Rederer von Karrösten beurkundet und durch ein rotes
anhängendes Siegel bestätigt. Er verkauft seinen Hof in Brennbichl um die
stattliche Summe von 530 Gulden. (Urk.Nr.14) Am 27. April 1679 wird in einem
umfangreichen Gerichtsprotokoll (32 Blatt) die Gemeindegrenze zwischen
Karrösten und Tarrenz neu vermessen. Es werden zahlreiche Zeugen über die
Rechtslage der Holz und Weidenutzungsrechte beider Gemeinden einvernommen.
(Urk.Nr.20). Trotzdem kam es am 18. Oktober 1697 zu neuerlichen Streitigkeiten
mit Tarrenz, die mit einem Schiedsspruch endeten. (Urk.Nr.23) Bemerkenswert ist
auch der Streit mit Imst wegen der Befahrung und Erhaltung der Kniepaßstraße
zu Karrösten vom 18. Oktober 1697. (Urk.Nr.23). Am 22. September 1722 kommt es
in dieser Sache nochmals zu Streitigkeiten (Urk.Nr.32) Am 22. Dezember 1727 geht
es um die Zuständigkeit des Bergrichters von Imst wegen der Bestrafung des
unbefugten Holzschlages der Karröster am Tschirgant. (Urk.Nr.33) Vom 3. Juni
1739 ist uns eine riesige Pergamenturkunde (57 x 80 cm) erhalten, welche die
Grenzmarken zwischen Karres und Karrösten beurkundet. (Urk.Nr.34) Ober
Regelungen der Rodfuhren und der Durchfahrt fremder Kaufleute geben die Urkunden
Nr. 39 und Nr. 42 Auskunft. In der Urkunde vom 30. November 1813 geht es um die
Ernennung des Lehrers Rupert Großkopf in Karrösten. (Urk.Nr.68) Vom 12.
Oktober 1817 stammt ein Vertrag der Salzrodgemeinschaft Imst Tarrenz Mils mit
der Gemeinde Karrösten wegen der Salzrodfuhren (Urk.Nr.72)
Familiengeschichtlich interessant sind auch die erhaltenen
Verlassenschaftsabhandlungen der Familie Röck, die ein lebhaftes Bild der
damaligen Rechtssituation geben.
Das Tiroler Landesarchiv hat im Repertorium 549 alle Urkunden und
Schriftstücke unseres Gemeindearchives dem Alter nach geordnet und den
Rechtsinhalt jedes Stückes kurz erfaßt, damit diese wertvolle Urkundensammlung
für Heimatforscher und spätere Generationen zugänglich bleibt.
DER BERGBAU AM TSCHIRGANT
Die älteste bekannte Erwähnung des Erzbergbaues in unserer Umgebung stammt
aus dem Jahre 1446. Im Jahre 1450 waren bereits 5 Gruben in Betrieb.
Hauptabbaugebiete waren Laagers Larsenn, Muttekopf, Heiterwand Alpleskopf,
Wanneck Marienberg und der Tschirgant mit Simmering.
Im Jahre 1501 wurden bereits 41 Gruben, darunter auch die bekannte "Künigingrube"
befahren. Diese Gruben wurden von Kaiser Maximilian an folgende Gewerken
verliehen: Jakob und Hans Füeger zu Hirschberg (= Gerichtsinhaber von Imst),
Alois und Antoni Spreng zu Sprengenstein, Hans von Egelsee, Andrä Fürer
(Richter auf Petersberg), Degen Fuchs von Fuchsberg, Georg Gossenbrot, Cyprian
Sarntein, die Bürger Kajetan und Franz Precht usw.
In ganz Tirol begann die Blütezeit des Bergbaus und es waren damals allein
am Tschirgant etwa 1000 Arbeiter beschäftigt. Durch die zahlreichen Knappen
dürfte auch in Karrösten ein gewisser Wohlstand eingezogen sein. Zur Wahrung
der landesfürstlichen Hoheitsrechte und der komplizierten Bergrechte wurde ein
eigener Bergrichter bestellt, der in Imst seinen Sitz hatte. Wie in Schwaz und
anderen Bergwerksorten gab es 1532 auch in unserer Gegend einen Knappenaufstand,
der religiöse Ursachen hatte. Das strenge gerichtliche Vorgehen unter dem
erzkatholischen Landesfürsten Ferdinand hatte eine starke Abwanderung
protestantischer Bergleute zur Folge.
Die ältesten und ziemlich ausgedehnten Baue am Tschirgant reichten
südseitig fast bis zum Grat. Noch heute zeugen davon Halden von den meist
verbrochenen Stollen und trichterförmige Vertiefungen im Gelände (=Pingen)
verursacht durch Grubeneinstürze. Noch im 16. Jh. ließ der Bergbau nach. Die
Stollen und Schächte wurden tiefer; teilweise wurden die alten Baue
unterfahren. Die jüngsten Baue befanden sich nur wenig über der Talsole am
Piger. Da die meisten Stollen heute nicht mehr befahrbar sind, kann man sich
über die Lagerungsverhältnisse der Erze kein klares Bild machen. Es dürften
aber in Richtung Simmering weitere Erzlager vorhanden sein.
Um 1550 waren die Brüder Hans und Georg Füeger die Hauptgewerken am
Tschirgant und Eigentümer der Schmelzhütte in Imst. Zehn Jahre später wurde
ihnen für das ganze Gericht Imst vom Landesfürsten die Befugnis erteilt, ädel
Arzt (= Erz) zu pawen (= abzubauen) und zu hawen". Ständige Streitereien
der Hirschberger mit den übrigen Gewerken, hatten die Obernahme der
Schmelzhütte durch den Landesfürsten zur Folge.
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts ging der Erzabbau stark zurück und es
mussten am Tschirgant viele Gruben geschlossen werden. 1663 waren noch 12 Gruben
in Betrieb. Mit dem Versiegen des Bergsegens zogen sich die Füeger vom Bergbau
zurück, denn die Unterhaltung der Röstöfen lohnte sich nicht mehr. Die vier
Öfen der Imster Schmelzhütte waren wegen des Erzmangels nur mehr zeitweise in
Betrieb. Um 1700 wurden die Roherze teilweise in die landesfürstliche Hütte
nach Brixlegg gebracht.
Im Jahre 1735 wurde der Bergbau oberhalb von Karrösten endgültig
eingestellt. Der Blei und Zinkerzbau Karrösten gehörte damals der Gewerkschaft
Rotenstein in Imst, Heute sind beide im Besitz der "Gewerkschaft
Dirstentritt, Tiroler Blei und Zinkerzbau in Bleiberg/Klagenfurt11. Diese
Gewerkschaft hat auf dem Tschirgant bis heute das Schürfrecht, von dem sie
wegen des Molybdän und Wulfenitvorkommens wieder einmal Gebrauch machen
könnte.
1900 wurde im Tschirgant Wald nördlich von Karrösten das Grubenfeld
"Emma" freigefahren. Es war aufgrund eines Aufschlusses von Galmei dem
Heinrich Klein, Rentner in Neustadt (Rheinpfalz) unter der Bezeichnung
"Blei und Zinkerzbau Imst11 verliehen worden. Heinrich Klein ließ den
"HeinrichStollen" vortreiben. Während des I. Weltkrieges hatte dieser
Betrieb wegen des Wulfenit und Molybdänvorkommens in der Stahlerzeugung
Bedeutung erlangt. Vor dem Frauenbrunnen-Stollen war damals eine
Aufbereitsungsanlage eingerichtet. Die Rentabilität war aber sehr gering. Erst
1917 stieg die geförderte Erznienge auf monatlich 400 Tonnen und wurde 1918 auf
700 Tonnen monatlich gesteigert. Damals umfasste die Belegschaft 34 bis 40 Mann.
Bis 1924 wurden von der Rotensteiner Gewerkschaft nur noch kleinere Arbeiten
durchgeführt. Seither ruht der Bergbau um Karrösten.
Im östlichsten Teil des Reviers lassen sich in ca. 1500 m noch ausgedehnte
Halden mit Spuren alter Berghäuser feststellen. In der Nähe des Güterweges
zur Karröster Alm liegen der Emma-Stollen (1150 m) und der Heinrich-Stollen
(1170 m). Nahe dem Pigerbach befindet sich das jüngste und größte Abbaugebiet
mit dem 400 m langen FrauenbrunnenStollen (760 m). Darüber liegt auf etwa 1000
m der Klamm-Stollen. Die dort geförderte Zinkblende enthielt 31,7 % Zink, 1,7 %
Eisen, 0,1 % Blei, eine Spur Kupfer und 2,5 g Gold, sowie 73g Silber je Tonne.
WASSERNOT UND MUREN
So alt wie das Dorf am Fuße des Tschirgant ist der Wassermangel. Bis 1903
gab es nur eine Holzleitung, die den einzigen Dorfbrunnen speiste. Die Haushalte
waren ohne Wasser. Wie die Bewohner so drängten sich die Häuser eng um das
kostbare Naß. Zusätzlich gab es noch einen Ziehbrunnen, doch kein Trinkwasser.
Erst 70 Jahre ist es her, als man in Karrösten die ersten Eisenrohrleitungen
legte, um das Wasser auf mehrere Brunnen zu verteilen. Durch Neufassung der
Quelle konnte mehr Wasser gewonnen werden, um den Hauptbrunnen und die neuen
Brunnen in der Obergasse, der Sturmergasse und der Lochergasse zu versorgen.
Darüber weiß Direktor Schennach eine kleine Episode zu erzählen, die einer
gewissen Komik nicht entbehrt. Der damalige Kurat Defizient Stecher, ein schon
sehr betagter Priester, interessierte sich lebhaft für alle Vorgänge in der
Gemeinde. Er war aber besonders misstrauisch gegenüber allen Neuerungen. Von
der Röhrenkommunikation scheint er noch nie etwas gehört zu haben. Auch
scheint er zum Bauleiter kein besonderes Vertrauen gehabt zu haben. Als er
hörte, dass in der Sturmergasse ein Brunnen errichtet werden sollte, tat er den
Ausspruch: "Jo globt denn dear wirklig, er kanns Wasser auwarts rinne
lasse!" Als der Brunnen fertig war und das Wasser eingelassen wurde, konnte
man Kurat Stecher beobachten, wie er abends den Brunnen in der Sturmergasse
aufsuchte und den Wasserhahn aufdrehte. Er soll lange Zeit ganz entgeistert den
zischenden Wasserstrahl angestarrt haben und dann wortlos und kopfschüttelnd
davongegangen sein.
Das Erholungsheim, die vielen neuen Siedlungshäuser und die steigende Anzahl
von Fremdenbetten 1972 waren es schon weit über 200 erhöhten die
Wassernachfrage enorm. Schon 1956 schritt man an die Neufassung von Quellen, die
Errichtung eines neuen Hochbehälters, die Neuverlegung der Dorfleitung und der
Hausanschlüsse. Doch der Wassermangel wurde in der rasch wachsenden Gemeinde
immer akuter. Im Froschloch und in der vorderen Thaya wurde 1962 vergeblich und
mit viel Geldaufwand nach Wasser gebohrt. Man konnte die Ausschüttung nur um 10
Liter in der Minute steigern. Die Wasserversorgung stand vor dem Zusammenbruch.
Die Haushalte, Heimbewohner, Sommergäste, 120 Stück Großvieh und die
Hausgärten steigerten seit den Hausanschlüssen den Wasserbedarf ständig.
Wiederholt ergingen Hilferufe an die öffentlichkeit. Man dachte an die
Errichtung einer Wasserleitung von Wald im Pitztal oder eine Leitung von der
Tarrenzer Alm, doch die riesigen Baukosten wären über die Kraft der Gemeinde
gegangen. Für Notfälle trat die Gemeinde Karres das Überwasser ab.
Im Jahre 1968 erfolgte dann der entscheidende Schritt, um die Wassernot auf
absehbare Zeit zu beenden. Man kann von großem Glück sprechen, dass in den
kritischen Jahren, die auftretenden Brände immer unter Kontrolle gebracht
wurden und Karrösten auf die Hilfe seiner Nachbarn rechnen konnte. Die Gemeinde
kaufte am Piger den Bergwerksgrund und fördert mit Hilfe einer Pumpanlage das
Wasser zum neuen Hochbehälter. 1971 wurde die neue Wasserversorgungsanlage
durch Landeshauptmann Wallnöfer ihrer Bestimmung übergeben.
Noch einer weiteren Naturgewalt war unser Gemeindegebiet seit
Menschengedenken ausgeliefert: Den Murbrüchen. Mit Kröll und Haue wurde der
Boden mühsam bearbeitet. Noch 1850 wurde in Karrösten der Mist mit Ruckkörben
auf die Felder getragen. Trotz größten Fleißes und äußerster Sparsamkeit
hatten unsere Vorfahren zu wenig zum Leben. Um so schlimmer war es daher, dass
immer wieder Unwetter und Muren die Arbeit von
Eine der schwersten Unwetterkatastrophen muss sich im Jahre 1873 ereignet
haben. Der Chronist berichtet: "Tausende Fuhren Erde wurden ins Tal
geschwemmt. Aus der mündlichen Oberlieferung geht hervor, dass damals bis hoch
hinauf "Streb" gerecht wurde und sich somit die Unwettergefahren noch
wesentlich erhöhten. Wie ein Alpdruck muss die ständige Murengefahr die
Gemüter unserer Vorfahren verfolgt haben. Dies geht aus einem Ausspruch,hervor,
den Bürgermeister Konstantin Oppl anläßlich eines Kaiserbesuchs in Imst tat.
Als der Kaiser sich nach den Sorgen und Anliegen der Gemeinde erkundigte, sagte
Oppl nur: "Majestät, d'Muara!" Hinzuzufügen hatte er sonst nichts;
der Ausspruch allein besagte alles. Seit der Wildbachverbauung im Gschnappgraben
und Toalegraben scheint die Gefahr gebannt.
Wie sehr die Muren die Phantasie der alten Karröster beschäftigten, zeigt
folgende Sage eindrücklich:
DAS VERSCHÜTTETE DORF
Das einstige Karrösten sei ursprünglich auf der Maure gestanden und habe
Karrestein geheißen. Die dortigen Karröster seien als Knappen zur Zeit des
großen Bergsegens überaus reich geworden, ja sie hätten zu den reichsten
Leuten der ganzen Umgebung gezählt. Das machte sie sehr hochmütig, und sie
vergaßen den Blick für Armut und Not. So sei eines Tages ein Bettler in
Karrestein erschienen und habe um ein Stück Brot gebettelt. Doch die
hartherzigen Menschen wiesen ihn von der Schwelle. Niemand hatte erbarmen mit
dem Armen. So musste der Bettler von dannen ziehen. Doch am Ausgang des Dorfes
habe er sich umgedreht und gerufen: "Steine möge es regnen auf dich, du
stolzer Ort!" Und wirklich, der Himmel verdunkelte sich, ein
fürchterliches Gewitter brach los, der Tschirgant barst und riesige Stein und
Felsmassen bedeckten das Dorf. Es hätte keinen einzigen überlebenden gegeben.
Daher komme es, dass man immer wieder auf Mauerreste stoße, die nur von diesem
versunkenen Dorf stammten.
PERSÖNLICHKEITEN KARRNTENS
Direktor Schennach zählt Pfarrer Geiger zu den größten Persönlichkeiten,
die in Karrösten wirkten. Er setzte ihm durch einen eigenen Abschnitt im
Dorfbuch ein liebevolles Denkmal:
"Wie viele Menschen erinnern sich heute noch an den in Pettneu geborenen
Pfarrer und Expositus Geiger der kleinen Berggemeinde Karrösten? Klein von
Statur und etwas untersetzt, von unscheinbarem Äußeren, war er doch einst Leib
und Seele dieser Gemeinde und wo man steht und geht, heute noch nach 27 Jahren,
sind die Spuren dieses großen Priesters unverkennbar. ...Pfarrer Geiger war ein
Mann, der nicht Würde spielte, sondern Würde hatte und Würde war.
Unzählig sind seine Verdienste um die Gemeinde Karrösten, nur wenige seien
hier aufgezählt: ihm ist es zu danken, dass Karrösten schon zwei Jahre nach
dem 1. Weltkrieg das elektrische Licht in alle Häuser bekam, der Wegbau nach
Karrösten ist sein Werk; er ließ die Kirche renovieren, er hat den Friedhof
angelegt, denn bis dahin wurden die Karröster in Karres begraben, unter seiner
Leitung entstand die Totenkapelle und die Sakristei. ...Wo das Geld fehlte,
griff er selbst zur Mauerkelle, zu Hammer und Meisel, mauerte selbst und hielt
die Jungen dazu an. So entstand "sein" Friedhof, der seine Heimatstatt
werden sollte nach seinem Tode.
Dass Pfarrer Geiger als Landtagsabgeordneter des Bauernbundes zum
Volksführer berufen wurde, kann nicht verwundern, denn eines der Geheimnisse
seiner Persönlichkeit ist seine Weltaufgeschlossenheit in Gott. So kam es, dass
sich die Gemeinde um ihren geistlichen und geistigen Führer scharte, wie Kinder
um ihren Vater. Er war durch 29 Jahre der Vater dieser Familie. Umso
verständlicher ist es, dass sich alle noch enger an Pfarrer Geiger anschlossen,
als die rotweißrote Fahne mit der roten Hakenkreuzfahne vertauscht werden
musste... Um Pfarrer Geiger nichts zu ersparen, wurde er unschuldig 16 Monate
eingekerkert, 16 Monate trauriger Einsamkeit und Leere in Garsten.
Nach der Entlassung aus dem Kerker durfte Pfarrer Geiger nur noch e i n e
Nacht in Karrösten verbringen. Hernach war es ihm verboten, österreichische
Länder zu betreten. Von Heimweh müde und alt geworden, verstarb er bald nach
Kriegsende in der kleinen Ortschaft Brückenau im Taunus bei Würzburg, wo er
nun auch begraben ist.
Alle Karröster wussten, dass es zu Lebzeiten sein sehnlichster Wunsch war,
in "seinem" Friedhof zur letzten Ruhe gebettet zu werden, so dachte
die Gemeinde an die Oberführung der sterblichen Überreste ihres bedeutendsten
Führers und Priesters. Man entschied sich aber schließlich dafür, Pfarrer
Geiger in Frieden ruhen zu lassen und ihm dafür an der Pfarrkirche ein
würdiges Denkmal zu setzen".
Die Karröster waren allerdings mit der von Künstler Kühltrunk aus
Heiterwang geschaffenen Büste nicht zufrieden und urteilten: "Das ist kein
Pfarrer Geiger!" Das Ehrenmal an der Kirche von Karrösten trägt die
Inschrift:
Josef Anton Geiger / Pfarrer, Ehrenbürger von Karrösten
Ich liebte die Gerechtigkeit / und hasste das Unrecht / Deshalb starb ich in
der / Verbannung / 1880 1945
Eine bedeutende Persönlichkeit ging aus dem kleinen Dorf Karrösten hervor.
Der ehemalige Bundeskanzler Dr. Alfons Gorbach wurde im Personalhaus der ÖBB in
Brennbichl am 2. September 1898 geboren.
Neben Pfarrer Geiger erhielt die höchste Auszeichnung, die eine Gemeinde zu
vergeben hat, nämlich die Ehrenbürgerwürde, der Industrielle Cosmos
Schind1er. Er beschäftigte über 40 Karröster, gab den Karröstern stets den
Vorrang, unterstützte die Gemeinde in allen Belangen. Ihm und Pfarrer Geiger
ist es zu verdanken, dass Karrösten eines der ersten Dörfer war, welches schon
1920 das elektrische Licht bekam.
Herr Landeshauptmann Eduard Wa11nöfer wurde ebenfalls mit der
Ehrenbürgerurkunde geehrt. Schon als Landesrat lagen ihm die Anliegen der
Gemeinde am Herzen. Durch ihn und sein Verständnis, sein Entgegenkommen und
seine finanzielle Unterstützung konnte Karrösten die vielen Probleme, die ins
Haus standen, lösen. Schließlich sei noch die Ernennung von Dr. Otto Habsburg
im Jahre 1935 zum Ehrenbürger Karröstens erwähnt.
Bürgermeister, welche die Geschicke unserer Gemeinde lenkten, sind folgende
bekannt:
Georg Gratt um 1596
Rudolph Röckh um 1679
Michl Pämbgartner 1722
Georg Neiner 1722
Franz Krismer 1739 (?)
Josef Röck um 1857
Peter Mößmer 1883 1886
Raffl Alois 1886
Köll Alois
Singer Josef
Krabacher Ambros
Trenkwalder Ludwig
Raffl Gabriel
Thurner Johann
Oppl Josef
Schatz Alois
Sauerbier v. Imst
Trenkwalder Karl 1945 1950
Thurner August 1950 1959
Schöpf Josef 1959 1961
Köll Alois 1961 1962
Oppl Gebhard 1962
UNSER VEREINSLEBEN
Der Schlittenzieherbund wurde 1894 ins Leben gerufen, um sich bei der
lebensgefährlichen Aufgabe des Holztransportes im Winter gegenseitig Hilfe zu
leisten. Fast alle männlichen Bewohner unseres Dorfes waren eingeschrieben. Der
Schlittenzieherbund hatte unter der Bevölkerung solchen Einfluss, dass ein
Nichtmitglied im Falle eines Unfalles kaum mit der Hilfe anderer rechnen konnte.
Dazu eine kleine Episode*
Josef Singer fuhr in der Knappe mit seinem Holzschlitten über den Weg
hinaus. Die anderen vorbeikommenden Holzzieher sahen den Verunglückten, dem
aber offensichtlich nichts Schweres passiert war, fragten, warum er denn nicht
beim Schlittenzieherbund sei, und fuhren einfach weiter. Bald nach diesem
Vorfall war auch Josef Singer Mitglied des Schlittenzieherbundes.
Die Funktion des Obmannes und Kassiers wird seit der Gründung von der
Familie Raffl wahrgenommen. Derzeit werden von Johann Raffl die Bundesbücher
verwahrt. Am 27. Dezember wird jährlich eine Messe gelesen und die
"Auflage" von drei Schilling eingehoben.
1909 wurde auf Initiative Pfarrer Geigers die Schützenkompanie Karrösten
gegründet. Den 42 Mann standen Hauptmann Ludwig Trenkwalder, Oberleutnant Josef
Oppl, Leutnant Josef Gstrein und Fähnrich Alois Singer vor.
Damals bestand die Schützentracht lediglich aus einem braunen Hut mit
Pflaume. 1910 erhielt unsere Kompanie bereits eine Fahne. Fahnenpatin war
Theodolinde Vetter, geb. Gräfin von Enzenberg, Gattin des damaligen
Bezirkshauptmannes und Ehrenbürgers von Karrösten Rudolf Graf Vetter von der
Lilie. Zwei Jahre später erhielt die Schützenkompanie ihre Tracht, die vom
Kunstmaler Thomas Walch kostenlos entworfen wurde.
Am 16. Mai 1915 wurden die Karröster Schützen als Standschützen unter die
Waffen gerufen. 30 Mann zogen damals im Alter zwischen 17 und 60 Jahren ins
Feld, viele kehrten nicht mehr zurück. 1919 formierte sich die
Schützenkompanie Karrösten unter ihrem Hauptmann Josef Oppl neu und trat bei
vielen festlichen Anlässen innerhalb und außerhalb der Gemeinde in
Erscheinung. Durch den II. Weltkrieg erfuhr die Aktivität der Schützen
neuerdings eine Unterbrechung.
1952 wurde anlässlich des Todes der Fahnenpatin eine holzgeschnitzte
Gedenktafel an der Totenkapelle enthüllt.
1964 wurde die restaurierte Schützenfahne vom Landes-Schützenkurat P.
Madersbacher eingeweiht. Obmann Josef Gstrein war es durch seine eifrige
Sammeltätigkeit gelungen, die hohen Restaurierungskosten zu finanzieren. Zur
Fahnenpatin wurde die Gattin unseres Landeshauptmannes und Ehrenbürgers von
Karrösten Frau Luise Wallnöfer auserkoren. Schützenkommandant Hauptmann
Gstrein konnte unter den Ehrengästen auch Landeshauptmann Wallnöfer, den
damaligen Hauptmann Dr. Zebisch sowie die Kompanien von Karres und Nassereith
begrüßen. Die grünweißgrüne Fahne zeigt auf dem einen Blatt das Herz Jesu,
auf dem anderen den Tiroler Adler.
Noch im selben Jahr starb das Gründungsmitglied und der Initiator der neuen
Kompaniefahne Josef Gstrein unerwartet rasch. Vielleicht wäre es ihm sonst
gelungen, die alten Schützentrachten durch neue zu ersetzen.
Die außergewöhnlich musikbegabte Bevölkerung Karröstens konnte erstmals
um die Jahrhundertwende unter dem Lehrer Josef Geiger ihre Fähigkeiten in einem
Männerchor entfalten. Der Chor unter Geigers Taktstock fungierte hauptsächlich
als Kirchenchor um den Gottesdienst zu verschönern. 1908 wurde Lehrer Geiger
versetzt und die Chorarbeit eingestellt.
Doch schon zwei Jahre später kam wieder ein "Geiger", nämlich der
Kurat Josef Anton Geiger, um diesmal einen Frauenchor ins Leben zu rufen. Noch
vor dem 1. Weltkrieg wurde daraus ein gemischter Chor, der bis 1969
ununterbrochen wirkte.
Wieder war es ein Lehrer, nämlich Direktor Schennach, der 1972 neuerlich
einen Männerchor gründete. Schon vorher war er als Dirigent unseres
Kirchenchores u nd Organist sowie als Leiter des Kinderchores tätig. Die jungen
Karröster Sänger haben sich zur Aufgabe gestellt, sich für weltliche und
kirchliche Zwecke zu engagieren.
Bald nach dem 1. Weltkrieg wurde der Wunsch nach einer eigenen Musikkape11e
laut. Auf Anregung von Pfarrer Geiger und Ortsvorsteher Ludwig Trenkwalder kam
1923 die konstitutionelle Gründungsversammlung zustande. Die
Vorstandsmitglieder Josef Schöpf, Roman Raffl und Roman Schöpf veranstalteten
am 12. Juli 1924 ein Waldfest, dessen Reinerlös von 42 Mill. Kronen für den
Ankauf der Instrumente verwendet wurde. Noch im gleichen Jahr begann man mit den
Proben im Haus des Bürgermeisters Gabriel Raffl. Zu Fronleichnam 1926 rückte
die Musikkapelle Karrösten erstmals aus. Anfangs litt die Kapelle unter dem
raschen Wechsel der Kapellmeister Richard Haas, 1926 Lehrer Wachter, Max Egger
aus Imst und seit 1929 dessen Bruder Josef Egger.
1929 wird Josef Schöpf Ehrenmitglied der Musikkapelle. 1931 werden
Ausgehuniformen angeschafft. Während des II. Weltkrieges ruhte die Arbeit
unserer Musikkapelle. Nach dem Tode des Obmannes und Ehrenmitgliedes Josef
Schöpf im Jahre 1946, formierte sich die Kapelle unter Obmann Josef Gstrein
neu. Wieder gab es einigen Wechsel bei den Kapellmeistern, bis am 30. Dezember
1959 Direktor Schennach als Seele des Karröster Musiklebens die musikalische
Leitung übernahm. 1967 erhielt die fast 40 Mann starke Musikkapelle unter der
Patronanz von Frau Erika Schenk, Gattin unseres jetzigen Kapellmeisters eine
neue Tracht.
Obmänner der Musikkapelle: Kapellmeister:
| Obmänner |
|
Kapellmeister |
| von |
bis |
Name |
|
von |
bis |
Name |
| 1923 |
1946 |
Joseph Schöpf |
|
1923 |
1926 |
Richard Haas |
| 1946 |
1949 |
Josef Gstrein |
|
1926 |
1927 |
Lehrer Wachter |
| 1949 |
1952 |
Robert Schöpf |
|
1927 |
1929 |
Max Egger |
| 1952 |
1955 |
Josef Konrad |
|
1929 |
1938 |
Josef Egger |
| 1955 |
1958 |
Josef Praxmarer |
|
1946 |
1951 |
Josef Egger |
| 1958 |
1959 |
Robert Schöpf |
|
1952 |
1959 |
Ernst Taschler |
| 1959 |
|
Walter Neuner |
|
1959 |
|
Franz Schennach |
Auch die Gründung des "christlichdeutschen Turnvereins im Jahre 1932
geht auf Pfarrer Geiger zurück. Besonders in den Dreißigerjahren war der
Turnverein äußerst rege und Sammelpunkt der Jugend von Karrösten.
Nach dem II. Weltkrieg entschloss sich die "Turn und Sportunion
Karrösten zum Bau einer Turnhalle, die nach vielen unentgeltlichen
Arbeitseinsätzen 1952 fertiggestellt werden konnte. Zur Turnerschaft gehört
auch die Schützengilde Karrösten, deren hervorragende Schützen schon
zahlreiche Meisterschaften gewannen.
Die Feuerwehr gibt es in Karrösten nachweislich seit 1896, als sie dem
Bezirksfeuerwehrverband eingegliedert wurde. Folgende größere Brände musste
die Freiwillige Feuerwehr Karrösten bekämpfen:
1934: Großbrand in der Obergasse, dem 6 Häuser und Wirtschaftsgebäude zum
Opfer fielen (Mathias Köll, Karolina Gstrein, Aloisia Köll, Dominikus Nairz,
Maria Krabacher und Dominikus Thurner).
1961: Großbrand am Dorfplatz; 2 Wohnhäuser und 4 Wirtschaftsgebäude wurden
vernichtet; die Freiwillige Feuerwehr von Karrösten, Imst, Arzl, Tarrenz und
Karres lokalisierten den Brand; Schaden ca. 500.000 S.
1965: Großbrand in der Obergasse. Das "große Haus`, heute Haus des
Walter Gstrein brannte nieder.
1971: Waldbrand am Bergwerksgelände am Piger, Großbrand im "Loch`
Großbrand in der Sturmergasse: Josef Krismer und Bernhard Senn.
Seit 1963 haben 73 Männer unserer Feuerwehr an Leistungswettbewerben
teilgenommen. Sie erzielten: 1 Abzeichen in Gold 27 Abzeichen in Silber 45
Abzeichen in Bronze
Die Freiwillige Feuerwehr unterstand folgenden Kommandanten:
1911 Ludwig Trenkwalder
1911 1925 Heinrich Schöpf
1925 1928 Karl Neuner
1928 1938 Peter Paul Trenkwalder
1938 1946 Johann Krabacher
1946 1948 Josef Oppl
1948 1961 Alois Schatz
1961 Josef Raffl
AUS DER SAGENWELT
Geisterspuk in der Maure
Es ist schon mehr als vier Jahrzehnte her, dass die Toten von Karrösten nach
Karres gebracht werden mussten, weil es hierorts noch keinen Friedhof gab.
Dieser Totenweg, d. h. der Weg, den diese Toten von Karrösten noch machen
mussten, war den früheren Dorfbewohnern etwas unheimlich und man mied ihn nach
Möglichkeit zur Nachtzeit. Einst gingen einige Burschen nachts von Karres nach
Karrösten. Plötzlich kam ihnen auf der "Maure" lautlos eine
Totentruhe entgegen. Vor Schreck eilten sie in weitem Bogen heimwärts nach
Karrösten. Bald war diese nächtliche Erscheinung Dorfgespräch. Auch andere
Karröster, bestimmt keine Angsthasen, berichteten von diesem Spuk. Allen war
klar: "Auf dem Totenweg geisterts in der Nacht. Die Toten gehen um".
Einige Zeit darauf waren auch einige Spätheimkehrer, vom Alkohol etwas unsicher
geworden, unterwegs. Sie näherten sich der berüchtigten Geisterstelle.
Plötzlich schwebt die Totenbahre auf sie zu und es gibt kein Ausweichen mehr.
Sie erstarren vor Schreck und ergeben sich in ihr Schicksal. Doch der
"schwebende Sarg" glitt langsam vorbei, ohne sie zu überfahren. Der
nahe Anblick der Geistererscheinung löste bald ihre starren Gesichtszüge.
Beschämt mussten sie erkennen, dass die nächtliche Erscheinung nichts anderes
als ein weidendes Pferd war.
CHRONIK DER LETZTEN 30 JAHRE IN STICHWORTEN
In den Jahren 1959 bis 1962 vollzog sich in der Gemeinde ein politischer
Kurswechsel, die als konservativ bekannte Gemeinde wurde in zwei Lager
gespalten.
Die Gemeinde erhält mit Beschluss der Tiroler Landesregierung vom 11. April
1972 das Gemeindewappen "drei rote Kugeln auf goldenem Feld".
Kirchliches:
Pfarrer Ranftler sorgte sich besonders für die Renovierung der Kirche. Diese
gelungene Renovierung konnte 1972 abgeschlossen werden. Restaurator war die
Firma Schweninger in Seefeld.
Die Gedenktafel an der Außenseite der Kirchenmauer für den in Verbannung
verstorbenen Pfarrer Josef Anton Geiger wurde von Bildhauer Kühltrunk
entworfen.
Die Königskapelle wurde mit Hilfe des Denkmalamtes restauriert und ist jetzt
Familiengruft der Nachkommen des ehem. sächsischen Königshauses. Am 5. August
1968 wurde Graf Christian von Meißen in dieser Familiengruft beigesetzt.
Vereinswesen:
Unter Kapellmeister Hauptschuldirektor Franz Schennach konnte die
Musikkapelle manchen Höhepunkt und den höchsten Aktivstand erreichen. Die
Musikkapelle bekam 1967 eine neue Nationaltracht.
1973 bekam die Schützenkompanie ebenfalls eine der Musikkapelle angeglichene
Nationaltracht.
Die Turnerschaft baute 1950 bis 1952 aus Eigenmitteln und Unterstützung von
Totomitteln eine Turnhalle, die heute Zentrum für Veranstaltungen sämtlicher
Vereine des Dorfes ist.
Die Bergwacht baute in Eigenregie eine Unterkunftshütte ca. 300 m unter dem
Tschirgantgipfel.
Die Feuerwehr konnte bei Wettbewerben die Leistungsabzeichen erreichen. 1961
Brand in der Dorfmitte: 5 Wirtschaftsgebäude und 2 Wohnhäuser 1965 Brand des
"großen Hauses" 1971 15. Mai Brand im Loch: 5 Wirtschaftsgebäude 4
Wohnhäuser 1971 30. September Brand in der Sturmegasse: 2 Wirtschaftsgebäude,
2 Wohnhäuser.
Bauliches:
Der Tiroler Kriegsopferverband kaufte 1962 eine Fremdenpension von Stefan
Falkner und baute diese zu einem Erholungsheim für Kriegsopfer aus (60 Betten).
1965 bei der Bildung der Agrargemeinschaft wurde ein Siedlungsgebiet von ca.
4 ha für die Gemeinde ausgeschieden. Dieses Gebiet wurde teil
weise parzelliert und ein Verbauungsplan für 34 Parzellen erstellt. 1962
wurde die Zufahrtsstraße nach Karrösten staubfrei gemacht und seither laufend
verbreitert, sodass heute auch große Omnibusse diese Straße befahren können.
Die Dorfwege wurden kanalisiert und teilweise staubfrei gemacht. Der Waldwegbau
wurde 1947 unter Hofrat Figala begonnen. Bis 1974 wurden 20 Kilometer solcher
Erschließungswege gebaut.
Wasserversorgung:
1956 Bau einer neuen Leitung für die Dorfversorgung und Hausanschlüsse;
neue Quellfassung und Bau des Hochbehälters im Froschloch; Schüttung
sämtlicher Quellen mit 0,5 Liter pro Sekunde; ab 1963 ständiges Suchen nach
neuen Trinkwasserquellen.
1958 Kauf des Bergwerksgeländes, Erschließung der Quelle, (Schüttung 12
Liter pro Sekunde) Bau eines Pumpwerkes, sowie der Förderleitung und des
Hochbehälters im Altwigg; 1972 das erste Wasser vom Bergwerk. Karröstens
Wassernot hat seit der Inbetriebnahme der neuen Wasserversorgungsanlage durch
Landeshauptmann Wallndfer ein Ende gefunden.
Schule:
1962 Bau einer neuen zweitklassigen Volksschule, Fertigstellung 1974. Der
keramische Wandschmuck stammt vom Künstler Elmar Kopp. Seit dem Schuljahr
1957/58 wird die Volksschule zweitklassig geführt.
Wildbachverbauung:
Zur Sicherung des Dorfes wurden 2 Auffangbecken und das Gerinne bis zum Dorf
erstellt. Am Gerinne durch das Dorf wird derzeit noch gebaut.
Besitzfestigung:
Durch Förderung des Landeskulturfonds und Planung der Abt. Besitzfestigung
wurden und werden in der Auflösung der im Erbwege erfolgten Teilungen zur
Dorfauflockerung beachtliche Fortschritte erzielt.
Arbeitsmöglichkeiten:
Neben der Landwirtschaft, die fast ausschließlich als Nebenerwerb geführt
wird, finden viele Karröster bei der Eisenbahn, in der Ziegelei und in der
Baumwollspinnerei ihren Broterwerb. Diese drei Arbeitsmöglichkeiten
veränderten die wirtschaftlichen Verhältnisse in Karrösten wesentlich und der
Zug in die Fremde hörte nach und nach auf.
Allmählich floss Geld in das Dorf, was Sich Wiederum in der Landwirtschaft
vorteilhaft auswirkte; denn es konnten verschiedene Geräte angeschafft werden
und der Ernteertrag steigerte sich um das Doppelte.
Hoffnungsgebiet für unseren Ort dürfte aber der Fremdenverkehr, in einer
ganz speziellen Form sein:
Dass Karrösten nicht zu Unrecht als Erholungsdorf bezeichnet wird, beweist
nicht nur das Erholungsheim sondern wird auch durch ein äußerst seltenes
Naturphänomen bestätigt. Seit etwa 100 Jahren gedeiht auf über 1000 m die
einzige Edelkastanie Nordtirols. Das äußerst milde Klima, die windgeschützte
Lage an der Südseite des Tschirgant begünstigten das Gedeihen dieser Kastanie,
die nicht zu Unrecht vor 10 Jahren zum Naturdenkmal erklärt wurde. Sie steht
auf der Grundparzelle 519 der Familie Schöpf. In Karrösten gedeihen aber nicht
nur gutes Obst, sowie bester Mais, sondern der gesamte Ort entfaltet sich
bestens. Es stehen heute fast zehnmal mehr neue als alte Häuser und in wenigen
Jahren wird die materielle Teilung der Vergangenheit angehören.
(Dr. Sebastian Hölzl)
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